Dezember 2011 | December 2011 (English Version below)

Frohe Weihnachten, guten Rutsch und ganz viel Glück im neuen Jahr.

Sie machen wieder ihre alljährliche Runde, die Glück-Wünsche. Ich freue mich über jeden einzelnen von Ihnen und wünsche das gleiche all meinen Freunden von ganzen Herzen.

Aber habt ihr mal darüber nachgedacht, was „Glück“ eigentlich ist? Ich meine, reales Glück, alltägliches Glück? Es gibt so viele Arten von Glück, dass man es manchmal gar nicht wirklich wahrnimmt oder es nicht zulässt, genießt. Es sich bewusst gönnt.  Passiert euch nicht? Vielleicht, aber achtet mal auf euch und euer Glück. Seht ihr die kleinen Glitzerstückchen im großen Ganzen? Sagt ihr euch oft genug „wie schön, das habe ich mir verdient“? Was ist Glück für euch? Ich meine hier die kleinen Glitzersteinchen.

Glück kann ein paar Stunden voller Musik sein, unplugged und voller Gefühle. Oder auch mal ganz in laut zum Mit-Schreien. Mit Freude im Herzen und ohne Stress den Weihnachtsbaum schmücken. Einen Raum voll fröhlicher Stimmen und die Küche voller Mehl vom gemeinsamen Backen und Kochen. Liebe im Sinne von Vertrautheit und Freunde, die an einen denken, auch wenn man nicht da ist. Albern sein dürfen, egal wie alt man ist. Sich über die Faszination einer erleuchteten Stadt freuen, und einen nasebohrenden Stein-Gnom schön zu finden.  Sich gegen jede Vernunft den Bauch voll Schokolade zu hauen, um sie irgendwann beim Sport wieder abzuschnaufen. Sich über das Glück anderer freuen.

Es gibt auch die ganz großen Dinge, das große Glück. Natürlich. Aber die genieße ich gerade ganz für mich allein J.

In diesem Sinne -  euch ganz viel Glück für das neue Jahr

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Merry Christmas, a happy new year and all the best for you

Here they are like every year, all the wishes for happiness and luck. I am grateful to receive them as well as to send them to all of my friends and beloved family.
But, honestly, did you ever think about what it means “happiness”? I am talking about the real happiness, the ordinary one? There are so many kinds of happiness, sometimes you just don’t see it or you might even ignore it instead of let it happen and enjoying it. This doesn’t happen to you? Maybe, but  think about it. Do you see all of the small shiny pieces of happiness? Are you telling yourself  that you earned this little piece of blessedness?

Blessedness could be some hours of unplugged music, emotionally music. Or even some real loud one, where you want to scream with it aloud. Joy in your heart while decorating the Christmas tree stressless. A room full of cheerfull voices and a kitchen all over of flour because of baking and cooking with your family. Love in the meaning of familiarity, nearness, and friends, who are thinking of you, even you are not near. Being foolish even when you’re older. Enjoying the fascinating view of an illuminated city during Christmas and recognizing the beauty of a stone gnome, picking in its nose. To stuff yourself full with chocolate, to lose it again huffing and puffing while doing some sport one day. To be happy about the happyness of other people.

There are as well the real huge things, which make you happy. Of course. But I think I want to savour that for me alone this moment J

With this in mind - all the best for you.

November 2011 | English version below

Komisch, wieso stolpere ich nur neuerdings häufiger über den Begriff „verrückt“? Hm, liegt es an mir, in mir? Habe ich gerade etwas Verrücktes gesehen, selbst erlebt, initiiert?

Ich meine jetzt nicht, dass ich letzte Woche um Mitternacht in meiner Küche die Möbel verrückt habe. Oder den Blog-Beitrag vom Oktober der Not gehorchend in den November verrücken musste. Nein. wohl eher, weil ich mich manchmal danach fühle, etwas abseits der Norm zu tun. Denn so ein bisschen Verrücktheit tut gut. Finde ich. Wenn Freunde mich dann auch als verrückt bezeichnen, ist es hoffentlich als Kompliment gemeint, da „etwas verrückt“ immer auch etwas Unerwartetes hervorbringt. Wenn es allerdings weniger gute Freunde sind, läuft es wohl eher auf „die ist ja nicht mehr normal“ hinaus. 

Aber was bedeutet schon „Normal“? Gibt es eine Formel, die da sagt, dass Normal=100xSpontanität./.Langeweile“ ist? Und überhaupt: Wie ist Normalität definiert und wer hat dies getan?

Wir selbst haben es getan. Du. Ich. Was wir als Normal verstehen, ist subjektiv. Immer. Eventuelle Objektivität aufgrund statistischer Werten überholt sich wie ein neues Computer-Programm täglich selbst. Die eigene Definition von Normalität entsteht durch das Bild, welches wir von uns selber machen. Alles, was davon abweicht, kann nicht richtig sein, da es unser eigenes Bild von uns, die eigene Lebensphilosophie in Frage stellt.  

Je nach Toleranz dürfen Mitmenschen nur bedingt von dieser normierten Linie abrücken. Außerhalb dieses Toleranzbereiches beginnt der Bereich des Ab-gerücktem, des Ver-rücktem. Der Beweis dafür ist einfach zu erbringen. denn wenn „die Anderen“ es nicht sind, wer bleibt dann übrig? Wir selbst? Ohgottogott. Damit wären wir ja selbst verrückt. Das geht per se schon mal gar nicht. 

Vielleicht nutzt ihr das Wochenende und macht mal etwas Verrücktes. Singt auf der Straße, überrascht Freunde oder auch Fremde. Und lacht anschließend darüber. Auch mit Freunden. Man muss es ja nicht gleich auf youtube einstellen.

Ich glaube, diese Idee gefällt mir. Und wer weiß, vielleicht ist das irgendwann mal ganz normal.


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Before I start to translate my blog entry into English, I have to explain the double meaning of the German word “verrueckt”. On one hand it could mean “crazy" on the other it could be “displacing”. Keeping that in mind you might follow my strange (not to say crazy) thought about normality. That I think about craziness while displacing furniture at midnight in my kitchen or displacing my blog of October into the November while nobody will recognize this ... No, it’s all about things, which is not standard, which might be off the beaten path.

Sometimes I like to walk this path. You know, it’s fun. It might surprise even me as well. If friends will call me then “crazy” they do it hopefully with a smile on their face. Not so good friends might say “she goes mad by now”.

Nevertheless, there is this one question - what does it mean? What is normal, normality? Who defined the Standard of how to live?

You did. I did. He/She/it did. Everybody defines her/his own standard. Therefore, it can be only personal, subjective. Objective influences like statistically evaluations will be outdated like computer programs the moment they are determined. There is no formula like “Normality=100xspontaneity./.boredom” existing.  

The proof, that your personally definition is the only acceptable one, is easy to render. Everything apart from your own defined standard can’t be normal because otherwise, you can’t be normal yourself. Which is of course per definition not possible J. Therefore, other people have to stay near your own defined line, or at least within the tolerance range, you are accepting. If they “fall apart” that line they are displacing themselves, they are “verrueckt”. 

You know something? You should do some crazy stuff over the weekend. Singing on the street, surprising friends or even strangers. Just to make yourself laugh. Or with friends. You don’t have to put it on youtube, you know. Just do it. 

I guess, I like that idea a lot. And who knows, maybe it will become normal . After a while.

September 2011 (English version below)

Problemkuh Yvonne

Ernsthaft – ist das eigentlich noch normal? Leute werden total nervös, weil eine Kuh in den Wald flüchtet, klappernden Futtereimern und sonstigen dümmlichen Tricks widersteht und sich dann auch noch weigert, den Verführungsdüften eines Prachtbullen zu verfallen ... schlaues Mädchen, nicht wahr? Und was tun wir Menschen daraufhin als ultimative Lösung? Wir setzen sie auf die Abschussliste, sie könnte immerhin vor ein Auto laufen und seinen Insassen unsanft aus seinem Autoschlaf wecken. Oder so. Also lieber erst schießen und später denken. Insbesondere, da die Jäger eh schon in ihren Startlöchern stehen.

Hallo, das ist doch nur eine Kuh, ein domestiziertes Rind! Kein Serienmörder, kein Terrorist, kein Hooligan, kein Links-/Rechts-Radikaler, kein Amokläufer. Nur eine Kuh. 

Allerdings eine intelligente. Ob sie das etwa in mediengeilen Augen für uns so gefährlich macht? 

Dank dieses Medienrummels sieht jeder nur noch Kühe und als Yvonne endlich auf einer Weide gefunden wird, erfährt es etwa nicht zuerst der Tierschutz, die Polizei oder der Besitzer. Nein, natürlich die BILD-Zeitung. Also die Zeitung, die reißerische Bilder von sogenannten gefährlichen Tieren am liebsten neben Babybildern zeigt. Zum Beispiel Wölfe mit dem Hinweis, dass die ausschließlich unsere Kinder futtern wollen. Dabei sind Wölfe so scheu, dass sie uns schon 100 Meilen gegen den Wind gerochen und gesehen haben bevor wir auch nur das Wort „Wolf“ denken können. Damit sind sie offensichtlich noch intelligenter als Problemkuh Yvonne, Gott schütze sie.

Erinnert ihr euch noch an "Problembär Bruno"  in Bayern? Ich wunder mich heute noch darüber, dass er wochenlang nicht gefunden wurde, aber nach Abschuss-Freigabe innerhalb von drei Tagen (oder waren es zwei ?) gefunden und – natürlich – getötet wurde.

Wir Menschen haben offensichtlich jeglichen Bezug zur Natur verloren.  Irgendwann berufen wir die Bundeswehr ein, wenn ein Shetland-Pony von seiner Weide entwischt.

Übrigens, das Bild ist mit „Bild ohne Wolf“ betitelt. Und erst in der Vergrößerung ist zu sehen, dass nicht wir den Wolf suchen sondern der Wolf uns beobachtet. Offensichtlich ist er sogar schlauer als wir J. Gefunden?


Problem Cow Yvonne

Honestly, is this still normal? People are getting nervous, because a cow escapes into the forest, resisting clattering feed buckets or other silly tricks and refusing the lovely odor of a prize-winning bull. Smart girl, isn't she? 

Sure enough, we humans have the ultimate solution for that dangerous situation. We put her on the hit-list, because she might run in front of a car which might disturbs a car driver or even wake him up behind his steer. Therefore, it is always better to shoot first, and think about it later on. Especially, if the hunters are already waiting on frontlines.

Come on, this is only a cow, a domesticated cattle. No serial murder, no terrorist, no hooligan, no left or right fundamentalist, no amok runner. Just a cow. 

Nevertheless, an intelligent one. Maybe that’s the reason why everybody sees only running cows until she jumps above a fence on a lawn with calves. On top, maybe that’s why media freaked out people didn’t inform animal shelter, police or owner on first place. No, they informed the gutter papers. Papers normally filled with pictures of dangerous animals next to cute kids pictures. Like pictures of wolves with the only (written) wish to eat our small children. Ignoring the fact, that wolves are sensing us humans 100 miles before we even think about them. Which proves that they are even more intelligent than cow Yvonne, god bless her.

Remember problem bear Bruno in Bavaria, which couldn’t be found for some weeks? Until the permission for killing him was given. Then he was found within three or two days. And killed of course, what else.

Obviously, we humans have some problems with the nature. Some day we might even call the military police, when a Shetland pony escapes out of its lawn.

By the way, the picture above was titled “Picture without a wolf”. Because the wolf can only be seen when you enlarging the picture. Which means, that the wolf is monitoring us while we are totally clueless. Obviously even more intelligent than us J. Did you find him?

August 2011 (this time German version below the English one)

You know, sometimes it is easier to think in a foreign language. To look up for words you need to impress yourself. It helps to think in a more abstractly way instead of feeling the emotions waiting behind the words you are looking for at dict.cc. You are confused? So am I. Still thinking about

Oslo and
A small island full of young and innocent people

I don’t want or even not been able to think the unthinkable thought up to its end like one of my sons would have been on this island …

Why the hell is it possible that there are people still walking with a smile on their face, proud of being so self-righteous? Is there anybody out there who can answer this?
Why there are people who believe in killing humans is an appropriate purpose to persuade the world of their sick mindset?

Is it because we don’t have wars like world war one or two or … anymore? But ... all this suicide bombing – isn’t it a sign for having a war not between countries in the old fashion way but between different opinions. Strangely enough we don’t name it in its true nature. Instead, we have e.g. “peace missions” and therefore it is still not politically correct to call a war a war. Personally, I believe we have to face the truth that in modern times the enemy can be a single person. But – and this is the most important thing to understand – friends can be thousands, millions, trillions people. Hope is something which connects much more together than hate.

We have to stand up against people who believe that their way is the only way. Who will never give up not even for good reasons. Who are more interested in saving their own face instead of accepting reasonable arguments.

Nevertheless, sometimes, only sometimes, I think about a huge party in the middle of a far away desert where everybody is invited who believes in the right of killing somebody just for an idea. Let them have a lot of fun and we give them some chemical fertilizer to play with. Maybe we are lucky and they won’t come back.

Yes, I know. That is NOT politically correct. Just a thought. Don't worry, I still prefer talking about problems and that one day someones brain will "gain the upper hand" and understanding will be. It is worth every possible try.

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Manchmal ist es sehr viel einfacher für mich, Gedanken zuerst in Englisch zu denken. Nicht, weil ich so gut bin sondern weil das Suchen nach den korrekten Worten von der Bedeutung selber ablenkt, von den Gefühlen, die dahinter stehen. Seid ihr verwirrt? Ich bin es. Ich denke immer noch an

Oslo
Eine Ferieninsel voll unschuldiger junger Menschen.

Ich will das gar nicht denken. Vor allem nicht das Undenkbare, dass einer meiner eigenen Söhne auf dieser Insel hätte gewesen sein könnne … ich kann das einfach nicht.

Wieso verflucht noch mal ist es möglich, dass Menschen mit einem Lächeln auf dem Gesicht herumwandern und auch noch stolz sind auf ihre Selbstgerechtigkeit? Kann mir das mal irgendjemand sagen, bitte.
Warum gibt es immer weiter Menschen, die glauben, dass Töten ein probates Mittel ist, die Welt von ihrem kranken Gedankengut zu überzeugen?

Ist es vielleicht, weil wir keine Kriege wie Weltkrieg 1 oder 2 oder … haben? Doch all diese Selbstmord-Attentate, sind die nicht ein Zeichen dafür, dass wir uns sehr wohl im Krieg befinden. Jedoch nicht auf die altbekannte Weise zwischen Ländern sondern zwischen unterschiedlichen Meinungen. Seltsamerweise benennen wir diese „Sache“ nicht nachdem, was es ist. Stattdessen nennen wir es z.B. „Friedensmission“. Es ist nicht politisch korrekt, einen Krieg auch Krieg zu nennen. Persönlich glaube ich, dass wir akzeptieren müssen, dass in den heutigen Zeiten der Feind eine einzelne Person sein kann. Aber – und das ist viel wichtiger zu verstehen, dass Freunde zu tausenden, millionenfach zusammenstehen können. Hoffnung verbindet weitaus mehr als Hass.

Wir müssen aufstehen gegen Menschen, die glauben, dass ihr Weg der einzig wahre ist. Die niemals aufgeben würden, auch nicht für gute Gründe. Die mehr daran interessiert sind, ihr Gesicht zu wahren statt vernünftige Argumente zu akzeptieren.

Wie auch immer, manchmal, nur manchmal, stelle ich mir eine riesige Party in der Mitte einer weit entfernten Wüste vor. Jeder, der an das Recht glaubt, für Ideen Menschen töten zu dürfen, ist eingeladen. Sie sollen Spaß haben und wir geben ihnen etwas chemischen Kunstdünger zum Spielen mit. Vielleicht haben wir ja Glück und sie kommen nicht zurück.

Ja, das ist nicht politisch korrekt. Nur ein Gedanke. Ich ziehe Reden vor und glaube tatsächlich daran, dass der Verstand irgendwann doch mal die Oberhand gewinnt. Es ist jeden Versuch wert.


Juli | July 2011 (English version below the German one)

Eigentlich bin ich gerade einfach nur stolze Mama und möchte das laut in die Welt hinaus posaunen. Ganz laut. Mein ältester Sohn hat seit dieser Woche sein Abiturzeugnis in der Tasche, ist glücklich, zufrieden und freut sich auf sein Studium. Die ganzen Vor-Abi-Feiern sind vorbei und die Nach-Abi-Feiern seit heute Nacht auch. Und all das haben die Jugendlichen selbst geleistet: Die Organisation, die Reden, die Aktionen für Spenden, die Aktionen zum Spaß haben (ich sage nur: Motto-Tage!).

Letzte Nacht war der Abschluss-Ball und wirklich alle haben sich dem Anlass entsprechend in Schale geworfen: Abendkleider und High Heels, Anzüge und Krawatten. Es wurde die Eltern, Großeltern und auch Lehrer eingeladen – und ich dachte immer nur, mein Gott, wann seid ihr so erwachsen geworden? Alle haben gelacht und gefeiert - so viele glückliche Gesichter ....

Jetzt, am Morgen nach dem wirklich letzten Abi-Ball, denke ich an all diese jungen Menschen mit ihren strahlenden Gesichtern. Alle haben ihr Abitur geschafft, 25 % und mehr sogar mit einer 1 vor dem Komma. Die meisten wollen studieren, manche lieber erst arbeiten oder ins Ausland. Alle schauen voller Hoffnung in die Zukunft, haben mehr oder weniger wohlüberlegte Ziele, auf die sie hingearbeitet haben. Und selbst wenn sie sich jetzt erst einmal überrascht umschauen, da das große Ziel erreicht ist, eines ist ganz klar:  Sie werden ihre Zukunft gestalten.

Ja, natürlich, bin ich ganz besonders und hauptsächlich und überhaupt auf meinen Sohn stolz, dass er diese Leistung gewollt und darauf hingearbeitet und letztendlich erbracht hat. Dass er schon neue Ziele hat und nach vorne schaut.

Aber ich vertraue ebenfalls unsere heutigen Jugendlichen ganz allgemein, die sich in dem heutigen digitalen Dschungel zu Hause fühlen und sich der so rasend ändernden Welt stellen. Und auch das möchte ich bei dieser Gelegenheit laut in die Welt rufen.

Ich wünschte mir nur, dass wir „alten“ Erwachsenen diese Leistung mehr respektieren würden. Nicht nur den Medien in ihrer Panikmache folgen, die so gerne von den lustlosen, gewaltbereiten, uninteressierten Jugendlichen reden. Die lieber Angst unter den Menschen schüren, die die Folgen des raschen Wandels nicht nachvollziehen und die unbekannte digitale Welt lieber verteufeln statt den jungen Menschen mit Hochachtung und Respekt zu begegnen, weil diese damit so virtuos umgehen können. Die Welt bleibt nicht stehen und es wäre schön, wenn wir „alten“ Erwachsenen den „jungen“ Erwachsenen etwas mehr Vertrauen geben. Und dass auch wir das leben, was wir von unseren Kindern schon seit Jahren verlangen: Das Lernen geht weiter und hört erst nach dem letzten Atemzug auf.

Mein Jüngster hat gestern übrigens fleißig mit gefeiert und denkt vielleicht ab und zu an seine „Entlassungsfeier“ mit Abitur in der Tasche. In zwei Jahren oder so. Wer weiß?

Auf ihn bin ich übrigens nicht minder stolz.

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Actually, I am only a very proud mum at this moment who wants to shout out this loudly into the world. Really loud. Since this week my eldest son has his graduation diploma (“Abitur” certification) in his pocket, is happy, satisfied and will enjoy his upcoming years of studying. All of the pre-Abitur-celebrations are over and all of the after-Abitur-celebrations still last night as well. Everything was organized by the young people themselves, speeches, donating actions as well as actions for just having fun (theme days J).

Last night was the graduation prom and everybody has smarten him/herself up for this big event: wonderful evening dresses and high heels, perfectly cut suits and ties. Parents, grandparents and teachers have been invited – and all the time I was only thinking, OMG, when did they grew up like this? Everybody was laughing and celebrating. So many happy faces.

Now, on the day after the final party, I am thinking again of all these young people with their happy faces. All of them did it, more than 25 % even with an A. Most of them want to study, some of them want to work first or want to go abroad. You can tell, all of them are full of hope when it comes up to the future, with more or less well planned goals they will work for. Even if they are a bit surprised that the first big goal is done now, one thing is for sure: They will perform their own future.

Yes, of course, mainly and first of all I am proud of my son, that he did it. That he wanted to get his certification and that he did work for it all the last 13 years. That he knows already what to do as a next step and that he will work for this goal as well. 


On top of that I want to say that I am as well proud on all of the young people, who are living in the digital jungle, not only enjoying but also ready to face a world who is changing every minute. This is something I want to shout out into the world as well.

What I also would like to see, how we “elder” adults will respect this achievement a bit more and not only following the press with panic making stories about a lackluster, violently and not interested youth. Which likes to promote unnecessary fears to people who are unable to understand the rush changes of these days and prefers to demonize them instead of given some respect in advance to the young people who are facing it. The world does not stop turning around and it would be a good thing when we “elder” adults will trust the “younger” adults some more. And that we will live the same idea as we always tell our kids: you have to learn your whole life up to your last breath.

By the way, my younger son celebrated last night as well and maybe sometimes he thought of his own graduation prom, which might come in two years. Who knows? Incidentally I am not less proud on him. 

Mai | May 2011 (English version see below German)

Du sollst nicht töten.

So steht es bereits in der Bibel geschrieben. Diese Woche wurde Osama bin Laden getötet und viele Menschen haben dies gefeiert. Lachend, tanzend, grölend.

Ich habe nicht gelacht oder getanzt. Es hat mich nicht wirklich berührt. Ich habe durch das Fernsehen nach mehr Informationen gezappt und bin bei der Dokumentation über 9/11 hängen geblieben, die auf Phoenix wiederholt wurde und habe mich an die einschlagenden Flugzeuge erinnert. Und den Feuerball. An die Menschen, die voller Verzweiflung aus dem 50. Stock gesprungen sind. An den Kinderhort im Basement. An die Feuerwehrmänner, die von herunter regnenden Körperteilen sprachen. Ich habe geweint.

Du sollst nicht töten. Hätte ich Adolf Hitler töten dürfen? Und wo ist der Unterschied zum Tot aufgrund der Bomben, die unsere Soldaten gerade auf die Truppen von Gaddafi werfen, um sein Volk wiederum vor seinen mordenden Soldaten zu schützen? Offensichtlich liegt der Unterschied im Auge des selbstgerechten Betrachters.

Die Worte von Frau Merkel, Herrn Obama und vielen anderen Politikern und Meinungsbildnern werden jetzt zerpflückt von Kommentatoren und weiteren Meinungsbildnern. Aber am Ende steht die eine Tatsache: Osama bin Laden ist getötet worden. Und ich gebe zu, dass es mich nicht berührt. Zu sehr erinnere ich mich an seine strahlenden Augen, als er sich mit dem 9/11-Attentat brüstete, während so viele Menschen litten und weinten.

Sollen jetzt Bilder gezeigt werden, die die Wahrheit vom Tod, seinem Tod, zeigen? Eine überflüssige Diskussion. Ich bin sicher, dass irgendein geldgieriger Mensch den sensationsgierigen Menschen die Bilder des Gruselns nicht vorenthalten wird. Aber auch das berührt mich nicht wirklich. Ich sehe stattdessen die Bilderwand all der getöteten Menschen am Ground Zero vor mir. Und ich höre die Stille dort. Das lässt mich weinen.

Ich bin gegen Töten. Natürlich. Ich finde auch nicht, dass Töten ein Grund zum Feiern ist, denn irgendein Hinterbliebener trauert immer. Aber auch ich habe meine emotionalen Reaktionen nicht immer im Griff. Ich bin ein Mensch, ein Lebewesen. Hatte Marianne Bachmeier das Recht, den Mörder ihrer Tochter zu töten? Nein, natürlich nicht. Und sie ist dafür zu Recht ins Gefängnis gegangen. Aber ich kann ihre Tat verstehen, ich wäre auch dafür ins Gefängnis gegangen. Pazifist war ich nur bis zum Tag der Geburt meiner Kinder.

Zurück zu Osama bin Laden – hätte er mit Vorsatz getötet werden dürfen?
Nein. Keinesfalls.
Aber er hat mindestens 10 Jahre länger gelebt, als all die Opfer, die auf sein Konto gehen. Hätte er so weiter leben dürfen?
Nein. Keinesfalls.

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You shall not kill.

This is written already in the bible. This week, Osama bin Laden had been killed and many people have celebrated this. Dancing, laughing, roaring.

I didn’t dance or even laugh. It didn’t matter at all in some way. I zapped through TV stations to get more information about the killing and stopped at a news station,  which showed again a documentation about 9/11 and I remembered the planes, hitting into the towers. And the huge fireball. People, jumping out of windows of the 50th floor. A kindergarten located in the basement. Fire workers talking about body parts raining down on them. I had to cry.

You shall not kill. Would I have been allowed to kill Adolf Hitler? And where is the difference to the death coming from our bombs, which are thrown these days on the troops of Gaddafi, who on the other hand is killing his own people by his murdering soldiers? Obviously, the difference is in the eye of the self-righteous beholder.

Words spoken by Mrs. Merkel, Mr. Obama and some more politicians and opinion leaders will be picked to pieces now by other commentators and even more opinion leaders. Although, at the end is only one truth. Osama bin Laden had been killed. Hereby, I have to confess, that I don’t mind it at all. I just can't forget his bright eyes talking about his successfully operation 9/11, where uncountable people had to die, to suffer, to cry. 

Shall the US government publish the pictures about the truth of death, his death? That's a dispensable discussion. I am sure, that there will be one mercenary human ready to provide the cruelty pictures to all of the people craving for sensation. Instead, I see the wall at Ground Zero with all the pictures of killed people. And I still can hear the silence at that place. This is something, which makes me cry.

I am against killing. Of course I am. In addition, I don’t think, that killing people is a reason to celebrate, because there are always suffering bereaved. Nevertheless, emotionally reactions of mine are not always under my control, how can they? I am a human, a living creature. Did Marianne Bachmeier had the right to kill the murderer of her young daughter. No, of course not. She went to jail for the right reason. Sure enough – I can understand her. I would have gone to jail for the same right reason. I had been a pacifist until the day I gave birth to my children.

Back to Osama bin Laden – is it okay, if he had been killed with intent.
No. Not at all.
However, he lived at least 10 years longer than all of the victims, he is responsible for. Did he have the right to live on like this.
No. Not at all.


April | April 2011 (English version below German one)


Die Wildgänse kommen

Es ist Frühling, endlich. Das Bild hier ist an einem sehr frühen Morgen, Mitte März entstanden. Da war es nachts noch bitterkalt, die Sonne und ihre Wärme nur ein Gedanke, ein Wunsch … und doch stehen sie plötzlich vor mir. Etwas nervös, vielleicht weil sie sich wundern, wo ihre Kumpels sind und sie strecken vorsichtshalber ihren Schnabel in Richtung meines Hundes.

In 2009 habe ich die Wildgänse (da waren es ca. 5 Paare) das erste Mal bei uns in Bonn gesehen. Der Wald ist nah, keine Frage. Aber den Gänsen näher ist die Wiese zwischen der Feuerwehr und Edeka. Spätestens seit dem wunderbaren Film „Amy und die Wildgänse“ wissen wir, dass Wildgänse im Frühling wieder an den Ort ihrer Kindheit zurück kommen. Und doch fasziniert es mich immer wieder aufs Neue.
Erstaunlich, wie die Tiere wissen, dass der Frühling kommt. 

Ich kratze morgens die Windschutzscheibe an meinem Auto frei und laufe mit zwei Pullovern, Weste und dicker Jacke rum. Mein Pferd dagegen fängt an, ihr Winterfell abzuwerfen. Und sie hat recht. Was auch sonst. Solange sie jedoch in ihrem warmen Zottelfell in der Sonne steht, können die Temperaturen steigen wie sie wollen. Ich würde nie daran glauben, dass der Frühling kommt. Ich weiß, dass sie Recht hat. Immer. Wie die Wildgänse.

Ich wünsche uns allen einen wundervollen Frühling, einen traumhaften Sommer, mehr Frieden (viel mehr) und weniger bornierte Politiker. Dafür mehr Offenheit im Denken für eine positive Zukunft und unsere Kinder. Und weniger (viel weniger) Festhalten an der Macht von den Ewig-Gestrigen.

Hey, hoffen darf man doch. Es ist Frühling.

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The arrival of the wild geese

It is spring, finally. This picture was taken on a very early morning, middle of March. The night had been bitterly cold still, sun and warmness only there as a wishful thought while freezing in my coat … and here they are. Looking around as they are expecting some more friends coming soon and stretching their beak carefully into the direction of my dog.

First time I have seen them in Bonn, has been in 2009. As I remember, they had been maybe five couples. You know, we have a beautiful forest next door, no question at all. Nevertheless, the wild geese have preferred the lawn between firework station and grocery store. Since the amazing movie “Fly away home” we know that wild geese are always coming back to their place of childhood. Despite the knowing, this will always fascinate me. It is surprisingly each time, to see how they know, that spring is coming soon.

I am still scratching ice of my car’s windshield and running around with at least two pullovers and a vest under my thick coat while my horse is losing her winter coat instead. She is right. Of course she is. As long as she stays in the sun with her scraggly and warm fur, the temperature can increase to the highest ... I would never believe in an early spring. I know she is right. Like the geese are right, too.

I want to wish you all a wonderful spring, a beautiful summer, more peace (a lot of) and less narrow-minded politicians. More open-minded ideas and people for the good of our future and children. And less (much less) keeping to the power of the ones who desperately adhere to long gone ideas.

Hey come on, I am allowed to hope. It is spring.